Vom YB-Profi zum Talentmanager: Christoph Spycher

Die Fussballprofi-Karriere hat Christoph Spycher bereits hinter sich. Als Teambetreuer und Talentmanager des YB Nachwuchses weiss er, warum junge Spieler klare Grenzen benötigen und trotzdem fordernd sein sollen.

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Christoph Spycher, auch Wuschu genannt, avancierte als langjähriger YB-Captain zum Publikumsmagneten und Sympathieträger. Dies gerade auch weil der 36-Jährige waschechte Berner den Young Boys treugeblieben ist. Zu seinem positiven Image hat auch seine Rolle als zweifacher Vater beigetragen, denn nach errungenem Sieg durften seine zwei Söhne beim Feiern auf dem Spielfeld nicht fehlen.

Nach 15 Jahren als Profi ist nun der Nachwuchs in den Fokus des 36-Jährigen gerückt: Im Sommer hat Christoph Spycher die Funktion als Teambetreuer und Talentmanager übernommen. Eine Aufgabe, die zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist. „Der Karriereabschied war emotional. Dass ich jetzt nach einem halben Jahr sagen kann, dass ich diesen Wechsel gut verarbeitet habe, liegt daran, dass ich etwas tue, das mir Spass macht“, so Christoph Spycher. Mindestens für drei Jahre bleibt er den Young Boys in dieser Funktion erhalten.

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Christoph Spycher ist froh um die grosse Leistungsbereitsschaft, die die Spieler aufbringen: „Sie wollen lernen und sind froh für Inputs, die sie dann auch umzusetzen versuchen. Mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten finde ich schön, da es mich auch jung hält. Ich werde mit dem konfrontiert, was die Jungen von heute beschäftigt“.

Dass die Spieler teilweise auch fordernd sein können und bereits hohe Erwartungen an sich selbst stellen, wird von Spycher ebenfalls kritisch verfolgt: „Unsere Spieler trainieren teilweise fast wie Profis. Es ist gut, wenn sie fordernd sind und gewinnen wollen, jedoch müssen sie lernen, sich an Grenzen zu halten und ihre Mitspieler nicht zu verletzten“. In gewissen Situationen sei es deshalb wichtig als Trainer auch einzugreifen, um mögliche Verletzungen zu vermeiden.

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„Oft ist es für die Spieler ein Balanceakt zwischen ihrer Ausbildung und der Belastung, die sie bei uns haben. Wir sind darauf sensibilisiert, wie es für einen Spieler ist, wenn er die Schule abschliesst und eine Lehre beginnt“. Die klaren Regeln, die auf dem Platz herrschen, sollen auch privat umgesetzt werden und dabei helfen, Sport und Ausbildung in Einklang zu bringen.

Für eine erfolgreiche Karriere spielt nicht zuletzt die Ernährung eine wichtige Rolle: „Hier geht es darum, die Spieler anzuleiten, wie sie sich gesund ernähren. Der Wissenstand ist sehr unterschiedlich. In diesem Bereich ist die Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig, wie auch Informationen über die Möglichkeiten im Arbeits- oder Ausbildungsumfeld“.

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Dass nur wenige hoffnungsvolle Talente den Sprung in die erste Mannschaft schaffen und die Anforderungen dafür sehr hoch sind, weiss der ehemalige YB-Captain: „Die Spitze wird immer enger. Gerade bei Spielern, bei denen es nicht reichen wird, müssen wir eine faire und korrekte Form finden, Entscheidungen ehrlich und offen auszusprechen. Die Jungen sollen wissen woran sie sind“.

Als Fazit sieht Christoph Spycher seine Aufgabe darin, den jungen Spielern die Informationen und Abläufe zu vermitteln, die ihm selber als Spieler wichtig waren.

Christoph Spycher

In seiner neuen Funktion ist Spycher auch erstmals zu 50% in seinem Büro anzutreffen: „Das erste Mal in meinem Leben muss ich mir jetzt wirklich Zeit freihalten, um Sport machen zu können“. Genau dort möchte der Berner in Zukunft mehr Zeit investieren. Der Ausstieg aus dem Leistungssport beinhaltet für den 36-Jährigen in Sachen Ernährung jedoch nur eine bedingte Veränderung: „Jetzt esse ich zwar viel weniger Kohlenhydrate, damit ich mein früheres Wettkampfgewicht halten kann. Bewusst habe ich mich aber immer ernährt und dies werde ich auch beibehalten“. (jz)